Oberflächenbehandlung
Februar 2, 2013 — 13:59

 Oberflächenbehandlung

Bei Schreibgeräten ein sehr stark diskutiertes Thema, jeder schwört auf seine eigene Methode, bevorzugt dieses oder jenes Produkt.

Schreibgeräte sind starken Belastungen durch Handschweiß, Handcremes und Handreinigungsmitteln ausgesetzt. Je nach Benutzer kann diese Belastung mehr oder weniger stark ausfallen, bei Personen mit Krankheiten oder bei bestimmter  Medikamenteneinnahme kann es zu erhöht säurehaltigem Handschweiß kommen, der die Schreiberoberfläche angreift.

Hier mal eine Übersicht und meine persönliche Erfahrung dazu:

Für Holz und Sperrholzoberflächen

 

Öle

(Danish Oil und ähnliche Hartöle) erzeugen bei einmaligem Auftrag nur einen leicht seidenmatten Glanz, der mit der Zeit des Gebrauchs abnimmt. Ein mehrfaches Auftragen von Hartöl und anschließendes aufpolieren, wie es beim Schalen-drechseln angewandt wird,  ist sehr zeitintensiv und erfordert ein wiederholtes Einspannen des Rohlings.

 

Wachs pur

Die schlechteste Oberfläche auf Dauer, ein Wachs, gleich welcher Art sinkt mit der Zeit in das Holz ein, verliert seinen Glanz und sieht dann unansehnlich und schmutzig aus. Hier fehlt eine Grundierung, die die  Oberfläche festigt.

 

Wasserlösliche Grundierungen und Lacke

Haben sicherlich in puncto Umweltverträglichkeit bei großen Werkstücken (Möbel, Vertäfelungen etc) ihre Berechtigung. Beim Schreiberdrechseln hat die teilweise sehr lange Trocknungszeit den Nachteil, daß das Werkstück zeitintensiv zwischen-getrocknet bzw.auf/abgespannt werden muß.

 

Grundierungen und Lacke auf Schellackbasis

Kurzfristig eine der schönsten Oberflächen, jedoch haben bis heute alle meine Versuche in den verschiedensten Kombinationen mit Wachsen den Langzeittest nicht bestanden. Sobald die schützende Wachsschicht einen „Schaden“ erleidet, ist der leider wasserlöslichen Schellackglanz dahin.

 

Lösemittelhaltige Grundierungen und Lacke

Grundsätzlich bin ich kein großer Freund von lösungsmittelhaltigen Grundierungen und Lacken, jedoch bei den geringen Mengen die bei Schreibgeräten eingesetzt werden, ist die bessere Oberflächenhärte gegenüber wasserlöslichen Materialien für mich ausschlaggebend. Auch  kann man mit Holzölen diese glänzende Oberfläche nicht mit so wenigen Aufträgen in so kurzer Zeit herstellen.

Grundierung und Lack habe ich in kleinere Kunststoff- Spritzflaschen (über uns erhältlich) gefüllt. Man braucht für Schreibgeräte ja immer nur sehr wenig Material und mit einer Spritzflasche läßt es sich sehr genau dosieren. Beim Benutzen von Original Gebinden kommt mit jedem Gebrauch Sauerstoff in das Material, was zu einem schnelleren Aushärten in der Dose führen kann. Außerdem führt die größere Öffnung dazu, daß sich die Verdünnungsstoffe bei offener Dose schneller verflüchtigen.

Für das Auftragen/Polieren der einzelnen Materialien verwende ich ca 4 x 4 cm große Stücke von alten, verwaschenen Baumwoll T-Shirts. Wichtig ist hierbei, diese Lappen nicht mehrfach zu benutzen, sondern je Auftrag nur einmal und dann zu entsorgen. Ein gebrauchter Lappen enthält Staub, Späne, Schleifmittelrückstände, die bei erneuter Benutzung auf der Schreiberoberfläche verschmiert werden könnten.

Alternativ kann man ungefärbtes,  weiches Küchenkrepp verwenden.

 

Nachfolgend die von mir bevorzugte Standardoberflächenbehandlung: 

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 Nach dem Drechseln schleife ich den Rohling mit Schleifgewebe oder AbranetTM Korn 180. Hierzu läßt sich in idealer Weise der AbranetTM Handschleifblock verwenden.

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Anschließend trage ich einen Sanding – Sealer (Schnellschleifgrund) auf.

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Sanding Sealer trocknet sehr schnell und es kann ohne Unterbrechung danach mit Korn 240 überschliffen werden.

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Danach erfolgt ein erster Auftrag von Melamine – Lacquer (Kunstharz Lack) ein Zwischenschliff mit Korn 320 und ein 2. Auftrag.  Melamine – Lacquer ist besonders wasserbeständig und wärmeresistent und somit bestens für Schreibgeräte geeignet.

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Je nach Holzart kann noch ein Zwischenschliff Korn 600 und  ein 3. Auftrag ML erfolgen.

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Danach wird die Oberfläche noch einmal mit Schleifvlies Korn 1500 abgezogen.

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Anschließend wird mit HUT PPP braun, einem Stangenwachs und einem sauberen Stück Baumwolllappen der Schreiber bei etwa 2.500 – 3.000 Umdrehungen zu einem seidenmatten Glanz aufpoliert. Wenn ein Hochglanz gewünscht wird, wird mit HUT PPP hell ein zweiter Auftrag vorgenommen.

Die obenstehende Vorgehensweise ist eine Standardprozedur, die sich für mich bewährt hat. In einzelnen Fällen, bei sehr hochwertigen Schreibern/Hölzern, verwende ich zusätzliche Schleif/Lackiervorgänge bis hin zu Schleifmaterial Korn 1200. Der Aufwand ist bei Holz nicht unbedingt sichtbar, das Gefühl für den Schreiber das optimale  getan zu haben, beruhigt jedoch ungemein.

 

Oberflächenpolitur mit dem BEALL WOODBUFF System

Hier wird die Schreiberoberfläche in 3 Poliergängen auf 3 verschiedenen Polierscheiben verschiedener Härte mit unterschiedlichen Polierpasten/Wachsen vorgenommen, Eine ausführliche Anleitung hierzu ist auf der DVD BEALL TOOL DEMO zu finden (leider derzeit nur in englischer Sprache verfügbar). Wichtig ist jedoch, daß der Rohling vor der ersten Politur mit einer Grundierung versehen wird, um ein abwandern der Politur in den Holzuntergrund zu verhindern.

buff

Die einzelnen Polierscheiben von der Spindelstockseite her:

  •   Tripol –  Nesselscheibe wird für das (rotbraune) Tripol verwand. Der Auftrag hinterlässt keine Farbveränderung auf dem Holz.
  •   White Diamond –  Nessel + Flanell-Scheibe für White Diamond Politur
  •  Carnauba –  Flanellscheibe für Carnauba Wachs.

Wichtig ist immer, daß Poliermaterial  sparsam auf die Scheiben aufgetragen wird, alles was zuviel ist, trägt sich in Schichten auf und  muß mühsam auspoliert werden.

 

Besonderheit bei Sperrholz

Hier muß unbedingt nach dem letzten sauberen Schnitt mit dem Drechseleisen und bevor geschliffen oder Sanding Sealer (Schnellschleifgrund) aufgetragen wird, der Rohling entweder mit einem Staubsauger abgesaugt  oder mit Druckluft abgeblasen werden. Im Gegensatz zu Holz, bei dem sich der feine Schleifstaub evtl. in feinen Ausrissen oder Poren einlagert und nicht sichtbar wird, zeigt sich diese Ablagerung durch den hohen Anteil von Polyesterharz und die unterschiedlich bunten Farben   im Schleifstaub sofort als hell/matte Stelle auf einem Sperrholzrohling.

 

Besonderheit bei Acrylic Acetat

Dieses Material reagiert sehr empfindlich auf das Schleifen und auf die Hitze die dabei entsteht. Es kann durch das Schleifen schon zu einer Überhitzung kommen und der Rohling wird matt und weicher in der Oberfläche. Hier sollte nur sehr vorsichtig geschliffen werden (Korn 400 bis hin zu 3000) Der Schliff kann durch Zugabe von Wasser ( Maschine vor Rost und Stromschlag schützen) kühl gehalten werden. Es wird auch keine Grundierung oder Lack aufgetragen. Poliert wird mit feiner Schleifpaste und einer Polierscheibe. Kunden haben uns berichtet, dass sie mit einfacher Zahnpasta als Schleifmittel oder Kunststoff-Autopolitur schöne Oberflächen erzielen.

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Schleifen mit SUPERPAD SG, leicht angefeuchtet. Nicht zu starken Druck ausüben.

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Es entsteht eine leicht staubige, mit einem Schmierfilm überzogene Oberfläche.

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 Oberfläche geschliffen bis Korn 3000.

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 Anschließend mit Autopolitur aufgearbeitet, ergibt einen sagenhaften Schimmer.

Oberfläche mit Sekundenkleber herstellen

Speziell aus der amerikanischen Drechslerszene wird immer wieder berichtet, daß die Oberfläche mit Sekundenkleber hergestellt wird. Sekundenkleber richtig angewendet, ergibt eine sehr schöne und besonders widerstandsfähige Oberfläche.

Wichtig:  Bei Anwendung der nachfolgend beschriebenen Techniken achten Sie unbedingt auf ausreichende Ventilation, tragen Sie unbedingt eine Schutzbrille, nicht gerade die beste „Sonntags Kleidung“  und zum Schutz der Hände sollten Sie eine geeignete Hautschutzcreme auftragen. Schützen Sie beim Naßschleifen das Bankbett und die elektrischen Anlagen durch Abdecken vor Nässe. Ratsam sind einige Versuche mit einem Probestück, um die Arbeitstechnik zu probieren und eine 2. Person mit Aceton oder Nagellackentferner in Rufnähe, um den Drechsler bei Fehlschlägen wieder vom Werkstück zu trennen.

Für den Artikel Amazing Finish by Bill Haskell written for American Woodturner Magazine der Verweis ins Internet.

http://www.woodturners.org/meetings/meeting_minutes/2008/ca-finish.pdf

Hier ein weiterer Link zu einer Seite von Don Ward, der Sekundenkleber zusammen mit Leinöl verwendet.

http://www.penmakersguild.com/articles/cafinish.pdf

Hier ein weiterer Link zu einem YouTube Video der WoodWorkers Guild of America®

http://www.youtube.com/watch?v=8zsJXC-17rU

Den nach meiner Sicht besten Artikel  von Colin Nelson habe ich hier übersetzt.

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MY SIMPLE CA* FINISH by Colin Nelsen

 *CA ist die im englischsprachigen Raum  gebräuchliche Abkürzung für Sekundenkleber.

alle Bilder dieses Artikels  ©Colin Nelson

 

 

 

 

 

 

Während der Drechselvorführung an unserem Stand auf der 2009 AAW National Convention, hatte ich mehrere Anfragen zu der Anwendung von Oberflächenmaterial. Ich kam schließlich zur Erkenntnis, daß die meisten Drechsler mit einem CA-Oberflächenfinish nicht vertraut sind und etwas Hilfe und Anleitung nötig haben.

Nachdem Sie Ihr Pen Blank auf den fertigen Außen-Durchmesser gedrechselt haben, schleifen Sie bis Korn 240 (220 im Originaltext) bei laufender Bank, danach  schleifen Sie das Pen-Blank bei gestoppter Bank in Längsrichtung und drehen dabei langsam das Blank um 360° bis keine Riefen mehr sichtbar sind. (siehe Abb. 1)

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Anschließend entfernen Sie sorgfältig den Staub vom Pen-Blank (absaugen mit einem Staubsauger oder mit Druckluft abblasen). Die Drechselbank stellen Sie nun auf die Drehzahl von etwa 500U/min ein. Nun kommen die bei den meisten Pen-Kit´s als Schutzverpackung enthaltenen kleineren Zip Lock Tüten  zu einer sinnvollen Verwendung.(siehe Abb. 2).

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Mit der auf den Finger aufgeschobenen Tüte wird der Sekundenkleber mittlerer Konsistenz (z.B STARBOND GLUE EM 150) bei laufender Maschine möglichst gleichmäßig verteilt. Kleberspitze oben auf dem Blank, der „Tütenfinger“ direkt an der Unterseite. Je gleichmäßiger diese Verteilung erfolgt, umso weniger Schleifarbeit ist anschließend nötig. Es braucht etwas Übung um ein optimales Ergebnis zu erreichen. (siehe Abb.3)

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Verwenden Sie jeweils eine kleine Menge Kleber und verteilen diese in einer durchgehenden  Bewegung von einer zur anderen Seite des Pen Blanks. Danach bringen Sie mit dem zum Sekundenkleber passenden Aktivator (z.B. STARBOND Glue Accelerator) den Kleber zum schnellen Abbinden, alternativ müssen Sie dem Kleber ausreichend Zeit zum Abbinden geben. (Anmerkung: Ein nicht zum Kleber passender Beschleuniger kann zur Schaumbildung auf der Kleberoberfläche führen. Noch nicht ausgehärteter Kleber macht im Extremfall aus einem Pen Blank eine Stachelwalze). Nun können Sie die andere, noch saubere Seite der Tüte für einen erneuten Kleberauftrag nutzen. (siehe Abb. 4)

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Jetzt können Sie die Geschwindigkeit Ihrer Drechselbank auf etwa 1800U/min erhöhen und beginnen das Schleifen mit Korn 400. Nur kurz schleifen, damit die Sekundenkleberschicht nicht durchgeschliffen oder zu heiß wird.  Schleifen Sie  auch wiederum bei stehender Bank in Längsrichtung des Pen Blank,  um eine gleich-mäßige Oberfläche zu erreichen. Kleine Poren und Unregelmäßigkeiten  in der Ober-fläche füllen sich mit Schleifstaub und sind als weiße Flecken zu sehen (siehe Abb.5)

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Das kann nun einige Zeit in Anspruch nehmen, abhängig davon wie gleichmäßig vorher der Kleber aufgetragen wurde. Anschließend wird der Staub vom Pen Blank entfernt. (siehe Abb. 6)

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Gegebenenfalls kann nun erneut auf der gesamten Fläche oder an Fehlstellen erneut eine Kleberschicht aufgetragen werden (bei kleinen punktuellen Flächen z.B. STARBOND GLUE EM 02).

 Wenn Sie nun mit der gleichmäßigen Oberfläche zufrieden sind, können Sie zu einem Naßschliff mit feineren Schleifmaterialien übergehen. (Der Autor empfiehlt hier das Produkt Micro Mesh®, wir haben mit Super Pad SG* ähnliche Ergebnisse erzielt.)

 *Für Schleifmaterialien gibt es unterschiedliche Bezeichnungen der Korngrößen die teilweise zu Verwirrungen führen. Die FEPA (Fédération Européenne des Fabricants de Produits Abrasifs ist die europäische Vereinigung der Schleifmittelhersteller) bezeichnet Schleifpapier-körnungen mit einem P vor der Zahl z.B. P120. Micro Mesh® hat andere Maßeinheiten.Bei mir vorliegenden Vergleichen, wird P 800 – MM 1500, P 1200 – MM 1800 und P2000 – MM 3200 gleichgestellt. Gegenüber P 3000 ist MM12000  also nicht unbedingt 4 x feiner.

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Feuchten Sie das Schleifmaterial an und schleifen Sie  bei laufender Drechselbank je Körnung nur  2 – 3 Sekunden in einer kreisenden Bewegung von einer zur anderen Seite des Pen Blank. (siehe Abb. 7)

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Je weiter Sie in der Kornabstufung schleifen, umso höher wird der Glanz auf der Oberfläche (siehe Abb. 8)

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Wenn sich die Abstandhalterringe nicht direkt vom Rohling lösen, ziehen Sie das Pen Blank mit dem Ring bis zum Ende des Pen Mandrels, verkanten den Abstandhalterring leicht, bewegen das Pen Blank mehrmals leicht hin und her, bis sich durch ein Knacken der Ring vom Rohling trennt. (siehe Abb.9)

(Ich persönlich trage vorher  eine dünne Schicht Vaseline auf der Innenseite der Hülse auf, damit auf keinen Fall eine „innige“ Verbindung von Ring und Rohling entsteht)

 

Colin Nelsen

Kallenshaan Woods

    

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